Zwiebelfisch – Mythos Design

1. January 2006 Peter Reichard

Zwiebelfisch Nummer 1 ist die Diplomarbeit von Stefan Gebhard und Jürgen Uhl zum Thema »Mythos Design« Zunächst fällt auf, das Heft, Werbekarten und Briefbogen aus einem einheitlichen Konzept sind und sehr hochwertig mit Silberdruck und Prägung hergestellt sind. Zusammen mit dem voluminösen Papier Bioart Recycling ergibt sich eine angenehme Haptik.

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Nun gut, aber Zwiebelfisch wird sich der ein oder andere fragen, was ist das für ein Titel für ein Magazin für Gestaltung. Ein Zwiebelfisch ist in der Sprache des Bleisatzes ein falsch einsortierter und somit falsch gesetzter Buchstabe. Flasche Schrift, falsche Schriftgröße und /oder falscher Schriftschnitt. Die Macher erheben den Fehler zum Programm, ihre Orientierung an einem dekonstruktivistischem Design à la David Carson macht sich nicht nur am Versuch ihn zu einem Beitrag zu bewegen fest – dokumentiert im Mailverkehr mit ihm –, sondern auch an der Gesamtgestaltung. Es ist jedoch kein Abklatsch, keine Karikatur von Carson, sondern eigenständige Gestaltung in ähnlichem Stil.

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Doch nicht nur die Form ist ansprechend, auch der Content kann sich sehen und lesen lassen. Zu diesem Projekt konnten sie neben David Carson auch den Typografen, Videokünstler, Designer Keedy gewinnen, der auch den Titel gestaltete sowie Rudy Vanderlans, dem Begründer von Emigre.Mit das spannenste fand ich das Gespräch mit Wolfgang Weingart im »Schwarzwälder Hof« in Freiburg. Typografie und Gestaltungs-Gespräche zwischen Weißherbst und Rahmtöpfle.

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Rayan Abdullah Artikel über die Entwicklung und Neugestaltung des Bundesadler ist zwar interessant und zeigt die Kontinuität in der Entwicklung vom Wappentier zum Staatssymbol. Jedoch dass die Kontinuität auch von 1993 bis 1945 weiter ging wird ausgelassen anstatt gerade diese Kontinuität kritisch zu betrachten, denn auch in den 12 Jahren der Nazis gab es den Adler als Staatssymbol, als ein Symbol für Terror und Völkermord.

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Hin zu stoßen ein Praktikumsbericht aus der mittlerweile insolventen Agentur »im stall« (Claudius Lazzeroni), ein Kochrezept für Zwiebelfisch mit gespickter Vanille, Günther Gerhard Langes telefonische Anmerkungen zum Schriftentwurf von Stefan Gebhardt, Chris Weinmanns (www.typomatic.net) Ausführungen zum Logogramm von »record« sowie die spannenden Ausführungen von Dr. Johannes Bittner zur Veränderung von Sprache und Zeichen im Zeitalter der Digitalität.
Die beiden Macher haben wohl auch eine Vorliebe für Schriften aus dem Hause Emigre, so werden u.a. die Fairplex und Filosofia von Zuzanna Licko verwendet. Eine Anschaffung, die sehr lohnenswert ist. Ein zweite Ausgabe zum Thema Heimat ist bereits für das Frühjahr 2003 angekündigt. Schauen wir mal was uns dann erwartet.

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Zwiebelfisch
Mythos Design
Zwiebelfisch 1 – Editorial
ISBN 3-928013-21-1
54 Seiten, 5c
€ 10,00

Kategorie: Magazine

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